Katzen, Kot und Müll: Luisa Bergner vom Buchtunger Tierhof hofft auf Unterstützung
Von Nina Bossert
Quelle: Badische Neueste Nachrichten (BNN) | bnn.de
Sinzheim. „Furchtbar“, sagt Luisa Bergner. „Furchtbar“ sei der Anblick gewesen, der sich ihr in der vergangenen Woche geboten hat. Ein Hilferuf hatte die Leiterin des Buchtunger Tierhofs aus Kartung nach Enzklösterle (Landkreis Calw) gelockt. Das Bild, das sich ihr dort bot: Überall Kot, Urin, Dreck, Müll – und zwischendrin viele, viele Katzen, beschreibt sie.
„Wir brauchen wirklich jede Hilfe, die wir kriegen können.„
Luisa Bergner, Tierhof-Leiterin
Luisa Bergner hat jetzt die Ärmel hochgekrempelt und kümmert sich um die Angelegenheit, so gut sie kann. „Wir brauchen wirklich jede Hilfe, die wir kriegen können“, bittet sie um Unterstützung.
Unterstützung bei was? Was ist in Enzklösterle geschehen?
Schon im vergangenen November hat sich eine Frau aus Enzklösterle bei Bergner gemeldet. Ihre Geschichte: Der Vater war verstorben. Zu Lebzeiten hatte der Vater nie Besuch zugelassen. Als er zu Hause gestorben war und die Tochter erstmals wieder das Haus betreten konnte, habe sie regelrecht einen „Schock“ bekommen. Einen Schock darüber, wie sie das Haus und die Mitbewohner ihres verstorbenen Vaters vorgefunden hatte. Unzählige Katzen, die Schätzungen liegen heute bei rund 40 bis 60 Tieren, lebten dort im und ums Haus in Dreck und Müll, inmitten ihres eigenen Kots und Urins. Die Frau selbst habe sich der „Mammutaufgabe“ angenommen, irgendwie Herr der Lage zu werden. Sie habe sich an viele Stellen wie zum Beispiel Tierschutzvereine gewendet. Und eben auch an den Buchtunger Tierhof, der rund eine Stunde entfernt liegt, erzählt Luisa Bergner. Im November habe Bergner aber noch keine Möglichkeit gehabt, zu helfen – es seien keine Zimmer auf dem Tierhof für die Katzen frei gewesen. Und außerdem war der Hof gerade selbst schwer von einem Sturm verwüstet worden und musste Aufbauarbeit für sich selbst leisten. Sporadisch sei Bergner seither mit der Frau aus Enzklösterle in Kontakt gestanden. Und als es in Kartung dann „Zimmer frei“ geheißen habe, habe sich die Tierhof-Leiterin vergangene Woche selbst ein Bild vor Ort verschaffen können. „Auch wenn es nicht unser Einzugsgebiet ist und eine Stunde Anfahrt bedeutet, machen wir es trotzdem“, ist Luisa Bergner überzeugt, helfen zu wollen. Was noch hinzukommt: „Die Tochter wird höchstwahrscheinlich nur Schulden erben“, in Höhe von 140 Euro pro Katze, die wir normalerweise nehmen müssten, nicht leisten“, geht Bergner auf die verzwickte Situation ein. Dennoch habe Bergner nicht wegschauen können. „Der Versuch, die Katzen selbst einzufangen und zu vermitteln, ist nicht aufgegangen, denn die meisten sind scheu und es bedarf professioneller Hilfe bei so einer Anzahl an Katzen“, berichtet Bergner von ihrem Besuch. Also habe sie den Katzenschutzverein Katzenstimme aus Rheinstetten mit ins Boot geholt.
„Wir haben keinen Platz, alle bei uns aufzunehmen.„
Luisa Bergner, Tierschützerin
Gemeinsam mit der Katzenstimme sei es bis dato gelungen, insgesamt 18 Katzen einzufangen und herauszuholen. Elf davon leben nun erst einmal in Kartung. Außerdem konnten zwei weitere Tiere schon durch die Tochter des Verstorbenen vermittelt werden. Schnell hat Luisa Bergner zusammen mit dem Katzenschutzverein Katzenstimme Wildkameras aufgestellt, unter anderem, um dokumentieren zu können, wie viele Katzen sich wirklich noch auf dem Gelände befinden.
Ziel sei es, so Bergner, alle Katzen einzufangen und sicher unterzubringen. Damit dann eine Entrümpelungsfirma ihre Arbeit im Haus aufnehmen könne – denn die könne erst kommen, wenn alle Katzen draußen seien.
Um die nächsten Schritte erreichen zu können, bittet Luisa Bergner folgendermaßen um Unterstützung. Zum einen sei Geld dringend nötig. „Eine Katze, die gechippt, geimpft, entfloht, entwurmt und kastriert werden muss, kostet uns zwischen 400 Euro und 450 Euro“, erläutert sie. Um diese Kosten stemmen zu können, brauche es Spenden.
Zum anderen müssten jetzt Pflegestellen gefunden werden. „Auch gern Endstellen, die die Katzen adoptieren“, führt Bergner aus. „Wir haben keinen Platz, alle bei uns aufzunehmen“, sagt sie.
Luisa Bergner fährt weiterhin, „so bald wir Möglichkeiten und Kapazitäten haben“, von Kartung aus nach Enzklösterle, um dort vor Ort aktiv zu sein. Dafür hofft sie jetzt auf Unterstützung.


